Künstliche Intelligenz als Spiegel der Gesellschaft

2. KI & Wir*-Convention aus Sachsen-Anhalt diskutierte über Objektivität und gesellschaftliche Relevanz von Künstlicher Intelligenz

Hey Siri, haben Maschinen Vorurteile? Mit dieser Frage eröffnete Natalie Sontopski vom Komplexlabor Digital Kultur der Hochschule Merseburg die zweite KI & Wir*-Convention am 27. November 2020. Die digitale Konferenz hatte Expert*innen sowie Interessierte aus der Welt der Künstlichen Intelligenz eingeladen, über gesellschaftliche und ethische Fragen zu diskutieren, die die Zukunftstechnologie KI mit sich bringt. Das Land Sachsen-Anhalt fördert die Initiative, der Verein science2public – Gesellschaft für Wissenschaftskommunikation ist Initiatorin und zum 2. Mal Veranstalterin der KI & Wir*-Convention.

Neben dem revolutionären Potential, das die Technologie für Medizin, Mobilität und Arbeitswelt birgt, finden sich auch immer wieder Berichte über Fehlleistungen der intelligenten Algorithmen. Da werden Frauen diskriminiert, weiße Menschen bevorzugt und problematische Inhalte in Chats geteilt. Wie fair und objektiv kann KI also sein?

Moderiert von Wissenschaftsjournalistin und KI-Fachfrau Eva Wolfangel, bot die Convention die Möglichkeit zum interaktiven Austausch über diese Leitfrage. In insgesamt sieben separaten Diskussionsgruppen luden Expert*innen aus den Bereichen Bildung, Arbeit, Kultur, Politik, Ethik, Forschung und Diversity die rund 60 Teilnehmer*innen ein, sich mit dem Einfluss von Algorithmen auf die Gesellschaft auseinanderzusetzen und durchaus auch ihr eigenes bewusstes wie unbewusstes Nutzungsverhalten von KI zu hinterfragen.

Die Aktualität dieser Themen unterstreicht die nur wenige Tage vor der Convention erschienene Studie zu möglicher Diskriminierung durch algorithmische Entscheidungssysteme (AES), maschinelles Lernen und andere Formen von Künstlicher Intelligenz des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Bundestag (TAB). Dessen Vertreterin Dr. Alma Kolleck leitete den Fachtalk zum Bereich KI & Politik. Die Arbeitsgruppe resümierte die grundlegende Erkenntnis der 2. KI & Wir*-Convention: Künstliche Intelligenz ist ein Spiegel der Gesellschaft, der zeigt, welche Vorurteile und Klischees in ihr vorhanden sind. Für die Zukunft gilt es, Intransparenzen bei der Datenfütterung von KI zu beleuchten – und womöglich eine Art Gütesiegel für innovative Produkte zu etablieren, die intelligente Algorithmen nutzen: „Kann Spuren von KI enthalten!“

Stefan Göllner von der Lernplattform KI-Campus ergänzte die dringende Notwendigkeit von KILiteracy in der Bevölkerung, also der Kompetenz zum Umgang mit Künstlicher Intelligenz, und warf die Frage auf, wann diese am besten beginnen sollte: Bereits in Kindergärten und Schulen? Oder bei der Ausbildung von Lehrkräften? Welche Rolle spielen die MINT-Fächer dabei? Und wie ist die gebotene Schnelligkeit einer KI-Kompetenzentwicklung zu erreichen angesichts der sich stetig weiterentwickelnden Technologie?

Vanessa Cann vom Bundesverband KI e.V. attestiert der europäischen KI-Forschung eine führende Position. Das Knowhow sei eindeutig vorhanden. Allerdings hinke man bei der Entwicklung konkreter KI-Produkte und Dienstleistungen noch hinterher. Hier gelte es Lösungen zu finden, um in Zukunft schneller zu werden.

Unter den Teilnehmer*innen der 2. KI & Wir*-Convention herrschte am Ende der Veranstaltung Einigkeit darüber, dass die Diskussionen in weiteren Formaten vertieft werden müssen. Denn zu viele Fragen blieben und bleiben noch unbeantwortet. Als flankierende Plattform der Convention gibt die neue KI & Wir*-Website www.ki-convention.com dazu bereits Gelegenheit: In der Community können sich KI-Expert*innen austauschen, vernetzen und Wissen vertiefen. Zudem werden in weiteren regelmäßigen Call-a-Scientist-Formaten KI-Expert*innen für Sprechstunden zur Verfügung stehen. Ab Januar 2021 erörtert außerdem eine begleitende, monatliche Ringvorlesung weitere Aspekte von KI im gesellschaftlichen Kontext.

Programm

Moderation: Eva Wolfangel

11:00 Welcome!

Grußwort

Prof. Dr. Ina Schieferdecker vom Bundesministerium für Bildung und Forschung
Ilka Bickmann, Vorsitzende science2public und Convention-Leitung
11:15 Keynote

„Let’s talk about AI: Hey Siri, haben Maschinen Vorurteile?“

Natalie Sontopski vom Komplexlabor Digitale Kultur an der Hochschule Merseburg
12:00 Begrüßung

der KI-Expert*innen und Einführung in die KI-Sprechstunden

12:15 Pitches

Expert*innen-Session 1

KI & Ethik mit Julia Gundlach von der Arbeitsgruppe „Ethik der Algorithmen“ der Bertelsmann Stiftung

KI & Forschung mit Prof. Dr. Sebastian Stober, Professor für Künstliche Intelligenz an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

KI & Wirtschaft mit mit Vanessa Cann vom Bundesverband KI e.V.

anschließend Diskussion im Breakout Room, Kurzfazit der Session

13:00 Pitches

Expert*innen-Session 2

KI & Bildung mit Stefan Göllner von KI Campus, der Lernplattform für Künstliche Intelligenz

KI & Diversity mit Dr. Pat Treusch vom Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung an der TU Berlin

KI & Kultur mit Amelie Goldfuß, Designerin, Kunsthochschule Burg Giebichenstein

KI & Politik mit Dr. Alma Kolleck vom Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag

anschließend Diskussion im Breakout Room, Kurzfazit der Session

13:45 Abschluss

Fazit der Sessions

Eva Wolfangel

Einladung in die KI & Wir* Community, Ausblick auf kommende Veranstaltungen

14:00 Ende der Veranstaltung